Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Poster, Girl with a Pearl Earring

Wir schreiben das Jahr 1665. Griet macht sich auf den Weg, um eine Stelle als Magd im Hause des Malers Johannes Vermeer anzunehmen. Sie wird nicht gerade sehr freundlich aufgenommen. Die Arbeit ist hart und lässt ihr kaum Zeit für sich selbst.

Der Maler scheint ein wenig eigenwillig zu sein, er duldet niemanden in seinem Atelier, außer Griet – sie soll dort sauber machen.

So kommt das 16-jährige Mädchen in Berührung mit dem stillen Maler, dessen Bilder so echt und lebendig wirken.

Griets Neugier und Faszination für seine Kunst inspirieren den Maler zu einem neuen Werk. Doch Gerüchte und Intrigen fangen an, Griet das Leben im Hause Vermeer zu erschweren. Vor allem Cornelia, eine der Töchter des Malers, heckt allerlei Übles aus.

Als einer der Geldgeber Vermeers ein Bild des Dienstmädchens haben will, müssen Griet und der Maler im Geheimen arbeiten. Griet lässt sich aus Liebe zu Vermeer darauf ein. Doch die Ehefrau des Malers hat schon längst einen Verdacht…


Der Film basiert auf dem Roman von Tracy Chevalier, und an der Richtigkeit oder Wahrscheinlichkeit der Erzählung scheiden sich die Geister.

Der Grund dafür ist vor allem der Umstand, dass wir heute kaum etwas über Johannes Vermeer wissen. Er wurde um 1632 geboren, und starb im Juli 1675. Hinterlassen hat er unzählige Gemälde, davon ist das Berühmteste wohl das des Mädchens mit dem Perlenohrring. Doch man weiß bis heute nicht, wie viele Gemälde er gemalt hat, da er nicht immer mit seinem eigenen Namen die Bilder signierte, sondern die Namen anderer Maler benutzte. Dadurch konnte er sie wahrscheinlich besser verkaufen.

Man schätzt heute, dass der Maler etwa 50 bis 60 Bilder geschaffen hat. Heute kann man aber nur etwa 35 Bilder Vermeer sicher zuordnen, die meisten davon (21) wurden 1696 in einer Auktion von Jacob Dissius versteigert. Die Bilder kamen aus dem Besitz von  Pieter van Ruijven, der auch im Film eine Rolle spielt.

Johannes_Vermeer_(1632-1675)_-_The_Girl_With_The_Pearl_Earring_(1665)

Viele Bilder wurden wahrscheinlich zerstört, oder überhaupt nicht vom Maler signiert – überhaupt hat er nur eines seiner Bilder datiert. Seit 1850 sind Wissenschaftler damit beschäftigt, die übrigen Bilder  aufzustöbern. Ein schwieriges Unterfangen, da Vermeer verschiedene Stile benutzte und auch die Anordnung der Motive variiert hat.

1653 heiratet Vermeer Catherina Bolnes. Sie haben zusammen 15 Kinder, davon sterben 4 kurz nach der Geburt.

Dass sie so viele Kinder hatten, was auch für das 17. Jahrhundert eine Ausnahmeerscheinung war, und dass Johannes zum Katholizismus wechselte, deutet auf eine glückliche Ehe hin. Im Film wird die Ehe aber anders dargestellt. Das ist eines der Hauptkritikpunkte, die man dem Film vorwerfen kann. Ich bin der Meinung, der Film will aber gar nicht wirklich geschichtsgetreu sein, vielmehr wird hier versucht die Entstehung eines außergewöhnlichen Gemäldes zu erklären.

Bis heute weiß man nicht wirklich, wer das Mädchen auf dem Bild ist. Manche denken es sei Vermeers älteste Tochter, Maria. Doch sie wäre um 1665, als das Bild wahrscheinlich entstand, erst 12 Jahre alt gewesen. Damit war sie also zu jung. Viele spekulieren, dass es vielleicht Magdalena van Ruijven ist. Doch die Darstellung des Mädchens spricht dagegen. Hätte der reiche Van Ruijven es zugelassen, dass seine Tochter so schlicht gekleidet und mit offenem Mund (eine obszöne Geste)  auf einem Bild verewigt wird?

Die Unbekannte hat nun Tracy Chevalier inspiriert daraus die Geschichte der Magd Griet zu machen, wofür ich ihr sehr dankbar bin.

Der Film selbst, sowie das Buch, haben nie beansprucht vollkommen historisch wahr zu sein. Sicher ist nur eins: der Film ist wie ein Bild von Vermeer selbst – düster, doch gleichzeitig wunderschön und sehr atmosphärisch.

Die Beziehung zwischen dem Maler und der Magd entwickelt sich ohne Worte, allein mit Gesten und verstohlenen Blicken.

Das erfordert Schauspielerei vom Feinsten von Scarlett Johansson, die uns schon in „Lost In Translation“ begeistern konnte und natürlich Colin Firth – dessen leidenden Blicke wir alle lieben und schätzen. Diese beiden machen den Film sehenswert.

girl-with-the-pearl-earring

Wer aber eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung zwischen Vermeer, Griet und Catherina erwartet, der wird enttäuscht. Für die Zeit damals, die doch sehr bestimmt war von engen Moralvorstellungen und tiefster Religiosität, wäre es auch sehr unpassend. Trotzdem hält man als Zuschauer den Atem an, wenn der Maler Griet das Ohrloch sticht. Es ist eine wirklich intime Szene – sehr viel ausdrucksstärker als ein Kuss oder die normalerweise unvermeidliche Bettszene…

Wer jetzt nicht weiß, was ich damit sagen will, der sollte den Film nicht sehen. Wer aber Colin Firth oder Scarlett Johansson mag, und kunstvoll inszenierte Filme nicht scheut, der sollte sich diese ungewöhnliche Geschichte nicht entgehen lassen. Vielleicht wird der eine oder andere auch neugierig auf Vermeer. Im Internet gibt es einige sehr umfassende Webseiten über den Maler und seine Werke.

Es ist alles wie ein großes Puzzle, das Raum zum Spekulieren und auch Träumen lässt.

 

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