A.I. – Künstliche Intelligenz

ai_posterWir schreiben das Jahr 2142. Das Leben der Menschen sieht in dieser Zukunft etwas anders aus: die Polkappen der Erde sind geschmolzen. Die meisten Städte, so auch New York City, stehen unter Wasser. Resourcen sind allgemein knapp, genauso, wie auch das Land, auf dem Menschen leben können. Um weitere Mittel zu sparen, haben die Menschen Androiden erschaffen, die effektiv arbeiten, keine Lebensmittel benötigen und keinerlei persönliche Bedürfnisse haben. Sie werden allgemein „Mechas“ genannt – im Gegensatz zu den „Orgas“, den Menschen.
Obwohl die Mechas den Orgas dienen, gehen nicht alle Menschen freundlich mit ihnen um. Viele fühlen sich von der wachsenden Zahl der Mechas bedroht.

Um die Überbevölkerung der Erde zu kontrollieren, dürfen nur Ehepaare mit einer Lizenz Kinder bekommen. Der Wissenschaflter Hobby (William Hurt) kommt nun auf die Idee, eine neue Art von Mecha zu erschaffen. Ein Androidenkind, das seine menschlichen Eltern wirklich lieben kann und somit den Kinderwunsch auch den Ehepaaren ohne Lizenz erfüllen könnte.

So kommt David (Haley Joel Osment) in diese Welt. Als Versuchsfamilie wird ein Mitarbeiter von Cybertronics auserkoren. Henry Swinton und seine Frau hatten schon einen Sohn, der aber an einer schweren Krankheit leidet, und jetzt in Stasis auf eine Heilungsmöglichkeit wartet. Henry nimmt also nun das neue Spielzeug, und mehr ist es für ihn auch nicht, mit nach Hause.

Monica, Henrys Frau, ist nicht gerade begeistert von diesem künstlichen Kind. Doch ihre Sehnsucht nach einem Sohn und die Aufgewecktheit Davids bringen sie dazu, David durch einen Code für immer an sich zu binden. Es ist ein Schritt, der nie wieder umkehrbar ist. So nennt David sie jetzt nicht mehr Monica, sondern Mammi und sein Leben kann beginnen.

Doch einige Wochen später wird Martin, der wirkliche Sohn Monicas, aus seiner Stasis geholt und geheilt. Plötzlich ist David nicht mehr Mittelpunkt des Interesses der Familie. Er ist nur ein besseres Spielzeug für Martin.
Martin hat jede Menge Spaß. Er macht David klar, dass er kein echter Junge ist und dass ihn deswegen keiner liebt, auch seine Mammi nicht. Genau wie bei Pinocchio im Märchen. Es kommt zu einigen Zwischenfällen, eigentlich sind es nur Unfälle oder Mißverständnisse für die David nichts kann und trotzdem soll David zu Cybertronics zurückgebracht werden.

Monica, die nicht will, dass David zerstört wird, setzt den verstörten Jungen im Wald aus. Dort trifft David zum ersten Mal auf andere Mechas, die mit ihm von einigen Orgas gejagt und gefangen werden. Darunter ist auch Joe (Jude Law), ein Liebesandroid, der vor der Polizei geflohen ist.
Auf dem Lynchfest der Orgas sollen die herrenlosen Androiden zerstört werden. Das passiert auch fast mit David und Joe, doch sie können in letzter Sekunde entkommen.

David macht sich auf die Suche nach jemandem, der ihn in einen richtigen Jungen verwandeln soll…

Obwohl dieser Film von Steven Spielberg gedreht und zum Teil auch geschrieben wurde, hatte Stanley Kubrick die Rechte an der Geschichte erworben. A.I. basiert nämlich größtenteils auf der Geschichte „Super-Toys Last All Summer Long“, die Brian W. Aldiss 1969 veröffentlichte.

ai-2Zuschauer müssen sich also nicht wundern, dass dies kein normaler Steven Spielberg Film ist. Dennoch fand Spielberg die Idee für den Film zu gut, um sie einfach nach Kubricks Tod unfertig zu lassen. Im Sinne des Verstorbenen Visionärs präsentiert er uns also nun einen Film, der in einer düsteren, manchmal hoffnungslosen Welt spielt, dessen Bewohner Gott spielen, aber dennoch ihre Geschöpfe verfluchen.

Es ist ein Film, der bisweilen schwer im Magen liegt. Hier geht es nicht darum, nur eine High-Tech-Welt zu zeigen, wie sie funktioniert und welche netten Spielereien es hier gibt. Es geht in diesem Film vielmehr darum, den Konflikt von Mechas und Orgas von allen Seiten zu betrachten und David auf seiner Odysee nach sich selbst zu begleiten.

Der Film ist brilliant inszeniert und Haley Joel Osment hat für die Darstellung des liebenden Androidenjungen wenigstens seine zweite Oskarnominierung verdient. Trotz des etwas bizarren Endes, ist der Film sehenswert.

[Corona Magazine  88,  September 2001 ]

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